Vita

 

Michael Plathow - biographische und bibliographische Notizen

 

 

 

1. Michael Plathow, Prof. Dr. theol. habil, evangelischer Pfarrer, geb. 27. 5. 1943, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Charakteristisch für Michael Plathows biographischen und beruflichen Weg ist die Verbindung von Kirche und Universität, Gemeinde und Theologie, Kanzel und Katheder. Dies kennzeichnet seine wissenschaftliche und pastorale Tätigkeit: Freude an Predigt und Seelsorge, wissenschaftlicher Diskurs zu dogmatischen und ökumenischen Themen: Gotteserfahrung und Gotteserkenntnis, Vorsehungslehre im Gespräch mit Naturwissenschaft (Chaostheorie), Pneumatologie und Ekklesiologie in ökumenischer Dimension, Lehre und Kirchenrecht, Studien zu K.Barth, D. Bonhoeffer und  M. Luthers Kreuzestheologie und Rechtfertigungslehre in gegenwärtiger Verantwortung.

2. Am 27. 5. 1943 wurde Michael Plathow als ältestes Kind des Pastors Dr. phil. Gerhard Plathow und seiner Frau Marianne, geb. Busching in Posen geboren. Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Salzgitter Bad und in Kiel, wo er Ostern 1964 am humanistischen Gymnasium Kieler Gelehrtenschule das Abitur ablegte. Während der Schulzeit war er in der evangelischen Jugendarbeit (Jugendgruppenleiter, Sommerfahrten, Theaterspiel, Leichtathletik usw.) engagiert, Klassen- und Viceschulsprecher, 1963 Preisträger des Europäischen Schultages; seine Abiturrede: ”Schulische und außerschulische Bildung” u. a.. Er studierte Theologie und auch Jura an den Universitäten Kiel, Tübingen und Heidelberg; zugleich wirkte er mit in der Fachschaft, im Konvent Schleswig-Holsteinscher Theologiestudierender und der Evangelischen Studentengemeinde. Wichtige Lehrer im Theologiestudium waren für ihn Gerhard Ebeling (Interesse für M. Luther) und Edmund Schlink (wissenschaftliche Arbeit in Dogmatik und Ökumenik), dazu Reinhard Slenczka (Theologie in Verantwortung für Gemeinde und Kirche), Albrecht Peters (Freude an liturgischen Gottesdiensten: Mittwochfrühgottesdienste in der Peterskirche), Friederich Heyer (Interesse für konfessionskundliche Fragen im Bereich Catholica, Orthodoxa und Freikirchen). Während des Studiums engagierte er sich in der Evangelischen Studentengemeinde und als Tutor (auch Tutorenkoordinator) und wissenschaftliche Hilfskraft (bei Prof. Edmund Schlink im Ökumenischen Institut) für hochschuldidaktische Fragen.

3. Am 27. 10. 1969 legte er das I. Theologische Examen an der Theologischen Fakultät in Heidelberg ab. Er übernahm eine Hilfsassistentenstelle am Ökumenischen Institut und schrieb bei Prof Dr. Edmund Schlink die Dissertation “Das Problem des concursus divinus. Das Zusammenwirken von göttlichem Schöpferwirken und geschöpflichtem Eigenwirken in K. Barths Kirchlicher Dogmatik”, Göttingen 1976, wofür er am 13. 2. 1973 promoviert wurde.

Vom 1. 9. 1972 bis 31. 8. 1981 war er wissenschaftlicher Assistent und Studienleiter am Ökumenischen Institut/Studienhaus, dessen Direktor und Ephorus Prof. Dr. R. Slenczka war. Neben der Lehrtätigkeit (Proseminare, Beteiligung an Seminaren von Prof. Dr. R. Slenczka, dann eigene Hauptseminare und Vorlesungen) und Studienleitung (tägliche Andachten mit den Bewohnern, wöchentlicher wissenschaftlicher Hausabend, mehrtägige Semester-Studienreise (Bossey-Genf, Fußspuren Tilmann Riemenschneiders, Straßburg, Bonn-Köln, Nürnberg-Neuendettelsau-Eichstätt, München, u. a.), Begegnungstage mit Migrationsgemeinden, “ökumenische Christvespern” mit Migrationsgemeinden in der Universitätskirche) machte er die praktisch-theologische Ausbildung mit II. Kirchlichen Examen in Karlsruhe am 26. 7. 1974 und wurde zum geistlichen Amt am 27. 10. 1974 ordiniert.

Die Habilitation erfolgte am 4. 7.1979 mit dem Thema “Lehre und Ordnung im Leben der Kirche. Dogmatische, rechtstheologische und pastoraltheologische Überlegungen zu den Lebens- und Visitationsordnungen”, Göttingen 1982; Habilitationsvortrag “Verbindliches Lehren der Kirchen und einender Konsens”, Antrittvorlesung “ Grenze und Mitte. Systematisch-theologische Überlegungen zu D. Bonhoeffers Pastoraltheologie”.

In diese Jahre fällt das Mitwirken an den Projekten der Ökumenischen Universitätsinstitut Deutschlands “Reform und Anerkennung kirchlicher Ämter”, München 1973 und ”Papsttum als ökumenische Frage”, München 1979 sowie die Leitung des “Ökumenischen Arbeitskreise” in Heidelberg (1979 - 85) ebenso die zweimonatige Pilot-Projekt-Reise zu Universitäten in den USA durch die Fulbright-Kommission zum Thema “Interdisziplinäres Arbeiten an der Universität” im Frühjahr 1976 und eine Vortragsreise zu japanischen Gemeinden und Universitäten im Herbst 1980.

Vom 1. 9. 1981 bis 30. 9. 1982 hatte er die Lehrstuhlvertretung (Prof. Dr. R. Slenczka) und die kommissarische Leitung des Ökumenischen Instituts inne. Es folgte die Berufung ins Prüfungsamt der Evangelischen Landeskirche in Baden 1981 (seit 1979 nahm er auch an den Begegnungen Theol. Fakultät und Evang. Oberkirchenrat-Karlsruhe teil) und die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor 1986.

4. Vom 1. 10. 1982 bis 28. 2. 2001 war Michael Plathow Pfarrer der Wicherngemeinde in Heidelberg zugleich Dozent an der Universität Heidelberg. Zusätzlich war er in diesen Jahren Dekanstellvertreter, Vorsitzender der “Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen” und seit 1993 Weltanschauungsbeauftragter im Kirchenbezirk Heidelberg. In der Gemeindearbeit waren ihm die verschiedenen Gottesdienste besonders wichtig: die Predigt des unverfügbaren Evangeliums als Wort der Vergewisserung und Trost des angefochtenen Gewissens, das mit dem Gotteslob antworten lässt (Vgl. die jährlichen Predigtsammlungen, zugunsten von “Brot für die Welt“ herausgegeben), die Taizégottesdienste, die Andachten und Stationsgottesdienste im Altersheim, die ökumenischen Kirche-unterwegs-Gottesdienste im Freien am Himmelfahrtstag, die liturgisch bestimmten Lutherischen Messen (Mittwochmorgen-Gottesdienste in der Heidelberger Peterskirche), das geistliche Rundfunkwort “für den Tag”, die göttinger internet-predigten und on-line-predigten seit 2000, die Kirchentage, zu denn er (erstmals als junger Schüler 1959 in München und dann immer wieder) mit Gemeindegruppen reiste. Wichtig war ihm weiter die Seelsorge, d. h. die Besuche zu verschiedenen Gelegenheiten bei Gemeindeglieder, bei Kasualien, bei Konfirmandeneltern, bei Kranken, im Seniorenheim. Die diakonische (Kindergarten, Kinderfreizeiten, Jugendtreff, Diakoniestation, Nachbarschaftshilfe, pflegende Angehörige) und ökumenische Dimension ( “Kirchheimer Woche”, Ökumene am Ort als ACK-Vorsitzender in Heidelberg von 1984 - 2000, 1982-84 Vorsitz der “Tabor Society zur Unterstützung äthiopischer Kirchenschulen”, Vorsitz (mit Pfarrer A. Rapp und dann Dr. Fr. Keck) des Ökumenischen Arbeitskreises-Heidelberg von 1994 -1999, Teilnahme an “Südosteuropa-Seminaren“ in Saloniki, Budapest, Heidelberg u. a. (Prof. Dr. Fr. Heyer) und der internationalen “Societas Oecumenica”, die er mitbegründete in Dribergen, an den “Europäischen Konfessionskundlertagungen” in Bensheim seit 1981, am Internationalen Lutherforchungs-Kongress in Heidelberg (1997), Kopenhagen (2002), Helsinki, (2012) an den Tagungen der Luther-Gesellschaft, der Luther-Akademie Ratzeburg-Sondershausen seit 1974 und der “Gesellschaft für Evangelische Theologie“) kirchlicher Arbeit in der Gemeinde war ihm weiter wichtig.

Im akademischen Bereich wirkte er neben der Lehr- und Prüfungstätigkeit (viele Begutachtungen von Seminararbeiten und Zweitgutachten zu Promotionsarbeiten) in der Projektgruppe der “Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie” “Rechtliche Rahmenbedingungen kirchlicher Praxis”, anschließend an seine Habilitation, von 1981 - 1985 mit und in der Theologischen Kommission der Arnoldshainer Konferenz zu “Lehrverwerfungen - kirchentrennend?” von 1987 - 1991. Auch nahm er an den Jahrestagungen der “Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht” und an der “Kirchenrechtlichen Arbeitsgemeinschaft der FEST” teil. Zudem wurden - ermöglicht durch Kontaktstudien - Aufsatzbände zu Luther “Freiheit und Verantwortung” (1996) und zum Vorsehungsverständnis “Ich will mit die sein”, (1995) und zahlreiche Einzelstudien zur Pneumatologie: "Heiliger Geist. Hoffnung der Schwachen" 1985, Wertediskussion, zu Vorsehungsverständnis und Chaostheorie ("Ich will mit dir sein" 1995, zu M. Luther, "Vor Gott in der Welt" (2014) und D. Bonhoeffer,"Glauben und Gestalten" (2013), aber auch zu Ph. Melanchthon und J. W. v. Goethe veröffentlicht.

5. Manche wissen, dass er schweren Herzens 2001 diese Kombination von Gemeindetätigkeit mit akademischen Aufgaben an der Universität beendete und von 2001 bis 2007 den Dienst als Direktors des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim und des Bundesdirektors des Evangelischen Bundes übernahm, zugleich weiter an der Universität Heidelberg lehrte. In Bensheim - abgesehen von der Institutsleitung - war er für den Catholica-Bereich zuständig. Neben den Institutstagungen (Generalversammlung des Evangelischen Bundes, Europäische Konfessionskundlertagung, Tagung der Ökumene-Beauftragten der EKD, EKD-Vertreter der Bundes-ACK (bis 2007), Arbeitstagungen mit Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn, mit Ökumenischen Institut der Abtei Niederaltaich, mit den Ökumenischen Instituten in Straßburg und Tübingen) lag ihm eine reiche Gremienarbeit (Catholica-Arbeitsgemeinschaft der VELKD, ÖSTA der VELKD, Bundes-ACK, ACK-Baden-Württemberg, Ausschuss für ökumenische Theologie der Evangelischen Landeskirche in Baden, Kuratorium der EZW (bis 2007), Kirchentags-Vorbereitung: I. und II. Ökumenischer Kirchentag in Berlin und München, Röm.-kath. Weltjugendtag in Köln), Vortrags- und Herausgebertätigkeit ob (Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts, Gutachten, wissenschaftliche Reihe “Kirche und Konfession”, Bensheimer Hefte). Besonders erwähnt sei die Arbeitshilfe “Was eint - was trennt”, Göttingen, 2002, die gemeinsam mit dem Straßburger und Tübinger Ökumenischen Institut erarbeitete Studie “Abendmahlsgemeinschaft ist möglich. Thesen zur eucharistischen Gastfreundschaft”, Frankfurt, 2003, inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt. In die Zeit seiner Institutsleitung fielen die Überlegungen und Planungen zur Standortfrage und Neukonzeption des Konfessionskundlichen Instituts, was für alle mit nicht geringen Belastungen verbunden war.

6. Nach der Bensheimer Lebens- und Arbeitsphase und der Pensionierung 2008 widmet er sich weiter Aufgaben im gemeindlich-kirchlichen und akademisch-universitären Raum (d. h. systematisch-theologische Seminare und Vorlesungen zu theologischen, philosophischen und konfessionskundlich-ökumenischen Themen, Prüfungs- und Gutachtertätigkeiten). Er übernimmt den Predigtdienst in Gemeinden und Universitätskirche; er ist Mitglied des Kuratoriums des “Friedrichstiftes” des Badischen Melanchthon-Vereins in Leimen sowie im Vorstand der “Katharina und Hilde-Vaupel-Stiftung“ in Heidelberg; er war Vertreter des Evangelischen Bundes des Dekanat Südliche Kurpfalz (bis 2011); er ist Weltanschauungsbeauftragter und Bezirkssprecher der Luther-Gesellschaft; er ist Mitglied der Theologischen Kommission der ACK-Baden-Württemberg und Mitglied des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses (DÖSTA, bis 2012), der Societas oecumenica, des Bonhoeffer-Komitees (bis 2008), des Freundeskreises des Ökumenischen Studienhauses in Heidelberg, der Evangelischen Akademikerschaft (bis 2011), der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie,der Luther-Gesellschaft, der Luther-Akademie Sondershausen-Ratzeburg, des Evangelischen Bundes (Vorstand Baden), der Gesellschaft für evangelische Theologie, des Förderkreises der Theol. Fakultät Heidelberg, der Ehemaligen der Kieler Gelehrten Schule, des Gemeindevereins-Leimen. usw.

Prof. M. Plathow übernimmt Predigtdienste und gestaltet Gottesdienste in Leimen, in der Universitätsgemeinde Heidelberg und in anderen Gemeinden, auch wirkt er seit 2000 mit bei den “göttinger internet predigten“ und online-predigten. Er hält Seminare und Vorlesungen, gehört zum Prüfungskollegium der Theologischen Fakultät seit 1981 (systematische Theologie und Philosophie), hat zahlreiche Zweitgutachten bei Promotionsverfahren im Fach Systematische Theologie angefertigt, nimmt soweit möglich an Tagungen teil, hält Vorträge zu ökumenischen Themen und Glaubensfragen in Gremien und in Gemeinden und schreibt wissenschaftliche Beiträge zu theologischen Themen, die ihn weiterhin beschäftigen (Reformation bes. M. Luther, Vorsehungslehre, Kreuzestheologie, Einigung der christlichen Kirchen, Kirchenrecht, in den letzten Jahre auch J. W. v. Goethe); immer aber ist ihm die pastorale und geistliche Ausrichtung theologischen Nachdenkens wichtig. Verwiesen sei auf die lange Liste der seit 1973 in jedem Semester durchgeführten Lehrveranstaltungen und der zahlreichen Veröffentlichungen von Monographien, Aufsätzen, Artikeln, Rezensionen, aber auch gehaltene Predigten in Druck und Internet. Dazu wandert er gern, liest, hört "klassische" Musik und wirkt im Garten und in der Bienenhaltung

7. Besonders angelegen ist ihm die Gemeinschaft mit der Familie seiner Tochter und seines Sohnes nach dem allzu frühen Tod seiner geliebten Frau Ursula, geb. Gramlich. Über 34 Jahre - sie heirateten am 24. 7. 1970 in Kiel - war er mit ihr glücklich verheiratet. Nach schwerer Krebskrankheit wurde sie am 30. 3. 2005 von Gott gerufen in die Ewigkeit; auf dem Leimener Bergfriedhof befindet sich ihr Grab.

Die 6 Enkelinnen und Enkel (Jonas, Felicitas, Felix, Jacob, Moritz und Annika, die er auch getauft hat) bereiten ihm viel Freude. So engagiert er sich gern auch in der “Kinderkirche”.

Leimen, d. 15. 3. 2015